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Mit Farbe und Pinsel zum Europawettbewerb

25. September 2018

Malergesellin Antje Harz tritt beim Berufswettkampf in Budapest an: Lackieren, kleben, mischen, streichen

Kreisstadt. Wer Antje Harz in ihrer Wohnung in Ahrweiler besucht, merkt schnell, dass die 22-Jährige auf dem Boden geblieben ist. Sie ist freundlich, kocht Kaffee. Nur ihre Hände verraten, dass Antje einen Beruf ausübt, den nicht viele Frauen mit ihr teilen. Ein Rest Farbe klebt noch an ihren Händen. Denn Antje ist Malergesellin. Sie streicht Wände, verputzt Fassaden und verlegt Böden. Und all das macht sie so gut, dass sie sogar am kommenden Mittwoch, 26. September, zur Europameisterschaft im Malerhandwerk nach Budapest fliegt. Eine Herausforderung für die junge Frau.

Als einzige Deutsche tritt sie in der Kategorie „Malerhandwerk“ bei den Euroskills an, den Europameisterschaften der Berufe. Dafür hat sie sich Anfang des Jahres bei einem Entscheid in Hamburg qualifiziert. „Die meisten Leute wissen gar nicht, dass es so etwas wie ein Nationalteam der Maler oder eine Europameisterschaft der Berufe gibt“, erzählt Antje. „Neben uns Malern nehmen an den Euroskills auch Logistiker, Zahntechniker, Stuckateure oder Schreiner teil.“

Und genau das ist es, was die junge Frau etwas nervös macht. Denn ihr Wettkampf wird in einer großen Messehalle parallel mit allen anderen Berufsmeisterschaften stattfinden. Es wird laut, wuselig und voll. „Ich bin es nicht gewöhnt, dass mir bei der Arbeit jemand über die Schulter schaut“, sagt Antje. „Da die Euroskills aber für jeden öffentlich zugänglich sind, werden dort sicher einige Zuschauer sein.“ Angst hat sie vor allem davor, dass ihre Hand zu zittern beginnt. Denn die Anwesenheit der vielen Besucher – das ist etwas, das sie vorher nicht üben kann.

Und Antje hat viel geübt. Zwei Wochen lang hat sie sich zusammen mit dem Nationaltrainer des deutschen Malerteams, Matthias List, auf den Wettkampf vorbereitet. Hat Techniken geübt, Farben ausprobiert, ihre Schnelligkeit und gleichzeitig ihre Genauigkeit trainiert. Denn auf beides kommt es an. „Schon wenn ich einen Millimeter über eine Linie male, gibt es Punktabzug“, erzählt sie. „Und die Konkurrenz ist stark.“ Während Antje Hartz sich seit etwa einem Monat auf die Euroskills vorbereitet, werden die Kandidaten aus manchen anderen Ländern wesentlich intensiver geschult. Antje übt nach Feierabend und an den Wochenenden, verwendet viel Zeit und Kraft in ihrer Freizeit auf die Vorbereitung. Andere Länder fördern ihre Teilnehmer, sie werden von ihrer regulären Arbeit freigestellt, bekommen Materialien gestellt. Das hat ihr zumindest ihr Trainer so berichtet. „Er sagt, ich soll versuchen, im Mittelfeld zu bleiben und möglichst sauber zu arbeiten“, erklärt sie.

Auf die Frau aus Ahrweiler kommen in dem Wettkampf mehrere Aufgaben zu. Sie sind auf drei Tage verteilt. Antje muss eine Tür mit drei verschiedenen Farben auf Wasserbasis lackieren, eine Mustertapete kleben und in einem Zeitwettbewerb bestehen. Dabei muss sie zwei Farbtöne exakt nachmischen und aus diesen beiden noch einmal zwei neue Abstufungen mischen, die farblich mit den beiden Originaltönen harmonieren. Und dann müssen alle vier Farben als vorgegebenes Muster auf eine Wand aufgetragen werden. Alles in so wenigen Minuten wie möglich. Und dann gibt es noch die freie Technik. Dabei dürfen sich die Kandidaten austoben und eine Malertechnik zeigen, die sie besonders gut beherrschen. Was Antje hier zeigen wird, ist noch ein Geheimnis. Nur so viel verrät sie: Sie wird ein Motiv wählen, das zum Austragungsort Budapest passt.

Begleitet wird Antje zum Wettbewerb von ihren Eltern und ihrem Freund. Der 26 Jahre alte Dennis Funk unterstützt Antje, wenn sie spät abends noch üben muss oder ihre Nerven zu flattern beginnen. „Ich finde es super, dass sie an den Euroskills teilnimmt. Wir haben noch nie so viel für einen Wettbewerb geübt wie jetzt“, meint er. „Normalerweise ist sie in dem Wettbewerb dann noch einmal 20 Prozent besser als in den Proben vorher. Aber auch die Konkurrenz ist stark. Ich denke trotzdem, dass viel drin sein wird in Budapest.“ Antje sagt, sie sei schon zufrieden, wenn sie eine sogenannte Exzellenz-Medaille bekommt. Eine Auszeichnung, die man erhält, wenn man einen bestimmten Punktestand bei den Meisterschaften überschritten hat. „Damit ich etwas von den Europameisterschaften mit nach Hause nehmen kann“, sagt sie. Denn sie hat die zwei Jahre, die man als Maler in dem Nationalteam verbringen darf, nun schon fast erreicht. Es wird also nur noch diese Chance für die junge Frau geben, eine Medaille von den Meisterschaften heim in den Ahrkreis zu bringen.

Quelle: Rhein-Zeitung, Celina de Cuveland, 25.09.2019